lucius juonWenn Sie „Singschule“ hören, werden Sie gleichzeitig an Lucius Juon denken. Diese beiden Namen sind eins - und noch viel mehr.
Als Präsidentin des Vereins darf ich danke sagen für alles, was Lucius für die Singschule Chur - für seine Singschule getan hat.
Jedes von uns hat mit Lucius seine eigenen Begegnungen und Erinnerungen. Wir denken an Chorproben unter seiner klaren Führung und der gründlichen Aufbauarbeit. Wir denken an grosse Chorwerke unter seiner Leitung. Wir denken an seine Begeisterung für die Musik und die Gabe, diese an Menschen aller Generationen weiterzugeben. Lucius war ein strenger Meister mit viel Geduld, Beharrlichkeit und viel Achtung vor den Menschen und der Musik.

Druckversion des Nachrufes für Lucius Juon

Lebenslauf Lucius Juon 21. November 1913 - 29. Oktober 2015

Predigt mit Ablauf des Abdankungsfeier vom 9. November 2015

 

Als ich 1979 aus der Ostschweiz nach Chur kam, suchte ich eine neue, berufliche Aufgabe. Zwar hatte ich im Seminar eine gute musikalische Ausbildung genossen, aber mit Klavierspielen brachte ich es nicht weit. Da lag mir die Blockflöte schon näher. So nahm ich Kontakt mit der Singschule auf und bekam die Möglichkeit, bei einer laufenden Ausbildung einzusteigen. Ich nahm privat Instrumentalunterricht, und für die Musiktheorie sollte ich zu Lucius Juon an die Brändligasse gehen.
Da stand ich nun vor dem Haus. Von Hanni Juon wurde ich herzlich begrüsst und ins Musikzimmer geführt. Ich spürte: dieser Raum war gefüllt mit musikalischem Leben. Da stand ein grosser Flügel, da lagen überall Noten, schön geordnet – und da sass Herr Juon auf dem Klavierstuhl und schaute mich mit seinen wachen, interessierten Augen unter den buschigen Augenbrauen an. Ja, Musik ist und war sein Lebensinhalt.
In seinem Unterricht wurde ich gleichzeitig gefördert und gefordert. Erst wenn alles sattelfest war, kam - bestenfalls - ein kleines Lob und der Nachsatz, dass durch üben und Fleiss noch mehr zu erreichen wäre. Ich spürte aber gleichzeitig, dass Lucius ebenso viel von sich selbst verlangte.
Ab Blatt singen hatte ich mit DO-RE-MI gelernt. Lucius erklärte mir mit Freude die Latonisation. Ich war rasch von der absoluten Logik überzeugt. Die neue Tonbezeichnung wurde für mich so quasi zur „Geheimsprache“, die mich mit den andern Lehrkräften der Singschule verband. Aber auch die besondere Pädagogik von Lucius, welche den Menschen mit seinen Stärken in den Mittelpunkt stellt, hat mich überzeugt.
Am meisten beeindruckt hat er mich mit seiner Achtung vor der Musik. Er spürte jeder Melodie, jedem Ton nach, stellte ihn in ein grosses Ganzes und fragte immer wieder nach dem Sinn. Wenn er dann alle seine Gedanken erklären wollte, so konnte dies schon eine Weile dauern...
Besonders wertvoll waren für mich auch die Weiterbildungen mit den Singschul-Lehrpersonen. Lucius verstand es, uns den Unterschied zwischen wertvollem Liedgut und banalen Melodien zu vermitteln. Und mit rezitieren weckte er in uns die Freude an der Sprache, an der Phrasierung, am Ausdruck.

Lucius hatte eine ganze Palette von Ideen, wie man bei den Kindern die Freude an der Musik weckt. Und er hatte manchmal für schwierige Fragen überraschend einfache Antworten. So wollte ich zum Beispiel einmal wissen, wie ich den Zweitklässlern den schwerverständlichen Text des Osterliedes erklären soll. „Weisst du“, sagte er, „erkläre es den Kindern einfach so: Du bist jetzt noch jung. Lerne den Text einfach auswendig. Verstehen wirst du ihn dann später.“ Und dann spielte er das Lied mit so viel Innigkeit, dass höchstens noch Fragen zum Glauben übrig blieben.
Lucius hatte auch die besondere Begabung, zu Volksliedern oder Volksweisen Musiksätze zu schreiben. Die einfachen Melodien wurden durch die besonderen Harmonien zu etwas Speziellem. Mehr als einmal haben wir Blockflötenlehrerinnen seine Bündnertänze an einem Konzert aufgeführt und dafür besonderen Applaus erhalten. Diese Freude geben wir als Dank gerne an Lucius weiter.
Später, wenn ich Lucius - oft in Begleitung von Hanni - begegnete, so blieb er immer wieder für einen kleinen Schwatz stehen. Meistens fragte er mich dann, wie es der Singschule geht, so wie sich ein Vater nach dem Befinden seiner Kinder oder Grosskinder erkundigt. Es war ihm wichtig zu erfahren, welche Probleme wie gelöst werden konnten.
Immer wieder traf ich ihn auch als Zuhörer in den Konzerten. Da sass er ganz links in der hintersten Reihe auf der Seitenempore, weil dort die Akustik angeblich am besten ist. Und er nahm die Musik als Geschenk dankbar an.
Vor den Sommerferien habe ich Lucius das letzte Mal getroffen. Die Cantalinos gaben im Altersheim ein Konzert. Sie sangen ihre Tierlieder, am Klavier begleitet von Lucius Juon. Zusammen mit den Kindern nahm er den Applaus entgegen und hat ihn von Herzen genossen. Er stand auf, lächelte und verbeugte sich - ein letztes Mal.

Wenn wir „Singschule“ sagen, denken wir gleichzeitig an Lucius Juon. Er hat uns sein Lebenswerk hinterlassen. Dafür sind wir ihm ganz besonders dankbar. Diese Dankbarkeit verpflichtet uns gleichzeitig, seine Arbeit weiter zu führen - im Dienste der Musik und der Menschlichkeit.

Christina Wehrli

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